Stundensatz-Rechner
Finde heraus, was du pro Stunde verlangen musst, um von deiner Selbständigkeit leben zu können.
Was du nach allen Abzügen auf dem Konto haben willst
Einkommensteuer + Soli. Typisch: 25-42% je nach Gewinn
Gesetzlich ab ~220€, privat variiert. Inkl. Pflege.
Büro, Software, Telefon, Internet, Hardware-Abschreibung
Nicht jede Stunde ist abrechenbar (Akquise, Buchhaltung, Admin). Typisch: 65-80%
Aufschlüsselung pro Jahr
Deine Arbeitszeit
Was-wäre-wenn: Auslastung
Branchenvergleich
Stundensatz berechnen: So geht's richtig
Der häufigste Fehler bei Freelancern und Selbständigen: Den Stundensatz zu niedrig ansetzen. Viele rechnen einfach „Wunschgehalt geteilt durch Arbeitsstunden“ – und vergessen dabei Steuern, Versicherungen, unbezahlte Zeit und Betriebskosten. Das Ergebnis: Du arbeitest viel, aber am Monatsende bleibt weniger übrig als bei einem vergleichbaren Angestellten.
Was in deinen Stundensatz eingerechnet werden muss
Dein Stundensatz muss alle Kosten decken, die ein Arbeitgeber bei Angestellten zusätzlich zum Bruttogehalt trägt. Hier die vollständige Liste:
- Einkommensteuer + Solidaritätszuschlag – Je nach Gewinn 14-45% plus 5,5% Soli auf die ESt (ab ca. 18.130 € ESt). Bei 50.000 € Gewinn sind das ca. 25-30% effektive Steuerlast.
- Krankenversicherung – Gesetzlich (ca. 14,6% + Zusatzbeitrag auf den Gewinn, min. ca. 220 €/Monat, max. ca. 1.050 €/Monat) oder privat (abhängig von Alter und Gesundheitszustand, typisch 300-700 €/Monat). Als Selbständiger trägst du den vollen Beitrag allein – kein Arbeitgeberanteil.
- Rentenvorsorge – Gesetzlich nicht verpflichtend (außer für bestimmte Berufsgruppen wie Lehrer, Handwerker, Hebammen), aber dringend empfohlen. Plane mindestens 500-800 €/Monat ein.
- Betriebskosten – Büro/Coworking (200-800 €/Monat), Software-Lizenzen (50-200 €/Monat), Hardware-Abschreibung, Telefon/Internet, Berufsversicherung, Fortbildung, Fachliteratur, Reisekosten.
- Nicht-abrechenbare Zeit – Akquise, Angebote schreiben, Buchhaltung, E-Mails, Meetings, Weiterbildung, Netzwerken. Typischerweise 20-40% deiner Arbeitszeit.
- Urlaub und Krankheit – Als Angestellter bekommst du weiter Gehalt. Als Freelancer nicht. 30 Urlaubstage + 5 Krankheitstage = 35 Tage ohne Einnahmen pro Jahr.
- Rücklagen – Für Steuernachzahlungen, Auftragsflauten und unvorhergesehene Ausgaben. Empfehlung: 3-6 Monatsausgaben als Puffer.
Rechenbeispiel: Vom Wunsch-Netto zum Stundensatz
Angenommen, du willst 3.500 € netto im Monat verdienen (vergleichbar mit einem Angestelltengehalt von ca. 55.000 € brutto/Jahr). So rechnest du:
- Wunsch-Netto: 3.500 € × 12 = 42.000 €/Jahr
- + Einkommensteuer (~28%): +11.760 €
- + Krankenversicherung: +8.400 € (700 €/Monat)
- + Rentenvorsorge: +6.000 € (500 €/Monat)
- + Betriebskosten: +6.000 € (500 €/Monat)
- = Jahreskosten: ~74.160 €
- ÷ 220 Arbeitstage × 6 Stunden × 80% Auslastung = ca. 1.056 abrechenbare Stunden
- = Stundensatz: ~70 €/Stunde (netto)
Typische Stundensätze nach Branche (Deutschland 2026)
- IT / Softwareentwicklung: 75-120 € (Senior/Spezialist: bis 150 €)
- SAP / ERP-Beratung: 100-180 €
- Design / UX / UI: 60-100 €
- Marketing / SEO / Content: 50-90 €
- Unternehmensberatung / Consulting: 80-150 € (Strategie: bis 250 €)
- Texten / Übersetzen / Lektorat: 40-70 €
- Fotografie / Videoproduktion: 50-120 €
- Handwerk / technische Dienstleistungen: 45-85 €
Diese Sätze sind Netto-Stundensätze (ohne MwSt). Als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer kommt die MwSt von 19% für deinen Kunden obendrauf.
Faustregel: Das 1,5-fache des Angestelltengehalts
Als grobe Orientierung: Dein Stundensatz sollte mindestens das 1,5-fache eines vergleichbaren Angestelltenstundenlohns betragen. Verdient ein Angestellter in deiner Branche 50 €/Stunde brutto, solltest du mindestens 75 €/Stunde netto verlangen.
Warum so viel mehr? Weil du als Freelancer alle Kosten selbst trägst: den vollen Krankenkassenbeitrag (kein Arbeitgeberanteil), Urlaub und Krankheit ohne Lohnfortzahlung, keine betriebliche Altersvorsorge, eigene Hardware und Software, und du hast nicht-abrechenbare Verwaltungszeit.
Tagessatz vs. Stundensatz vs. Festpreis
Je nach Branche und Projekt gibt es verschiedene Abrechnungsmodelle:
- Stundensatz – Klassisch bei technischen Projekten, IT-Dienstleistungen und Support. Transparent, aber der Kunde achtet auf jede Minute.
- Tagessatz – Üblich bei Beratung, Workshops und kreativen Projekten. Ein Tagessatz entspricht typischerweise 7-8 Stundensätzen. Vorteil: Du wirst nicht für einzelne Minuten hinterfragt.
- Festpreis – Ideal bei klar definierten Projekten mit einem konkreten Ergebnis. Plane immer einen Puffer von 20-30% ein, da Projekte fast immer länger dauern als geschätzt. Der Vorteil: Wenn du schneller fertig wirst, verdienst du effektiv mehr.
- Retainer / Monatspaket – Regelmäßige monatliche Vergütung für laufende Betreuung. Gibt dir Planungssicherheit und dem Kunden feste Kosten.
Stundensatz verhandeln: Tipps für Freelancer
- Nenne nie als Erster deinen Preis – Frag zuerst nach dem Budget des Kunden.
- Verkaufe Ergebnisse, nicht Zeit – „Ich erstelle eine Website, die X erreicht“ statt „Ich arbeite Y Stunden“.
- Berechne nie unter deinem Minimum – Lieber ein Projekt ablehnen als unter Wert arbeiten. Jede Stunde unter deinem Mindestsatz kostet dich Geld.
- Biete Pakete an – Statt Stundenabrechnung ein Komplettpaket mit klarem Umfang. Der Kunde hat Kostensicherheit, du hast Gestaltungsfreiheit.
- Passe jährlich an – Erhöhe deinen Stundensatz jedes Jahr um mindestens die Inflationsrate. Langjährige Kunden akzeptieren moderate Erhöhungen.
Auslastung: Der unterschätzte Faktor
Die Auslastung ist der Prozentsatz deiner Arbeitszeit, die du tatsächlich abrechnen kannst. Einsteiger erreichen oft nur 50-60%, etablierte Freelancer 70-85%. Plane realistisch:
- 50-60% Auslastung – Typisch im ersten Jahr. Viel Zeit für Akquise, Aufbau und Netzwerken.
- 70-80% Auslastung – Guter Durchschnitt für etablierte Freelancer. Lässt Raum für Verwaltung.
- 85%+ Auslastung – Sehr hoch. Funktioniert nur mit Stammkunden und wenig Verwaltungsaufwand. Gefahr: Kein Puffer für Akquise und Weiterbildung.
Wichtiger Hinweis
Dieser Rechner liefert eine Orientierung, keine Steuerberatung. Die tatsächliche Steuerlast hängt von vielen individuellen Faktoren ab (Familienstand, Sonderausgaben, Freibeträge, Veranlagungsart). Lass dich im Zweifelsfall von einem Steuerberater beraten – die Kosten dafür sind als Betriebsausgabe absetzbar.
Weitere Tools für deine Kalkulation
Berechne mit dem Brutto-Netto-Rechner, was nach Steuern von deinem Gewinn übrig bleibt. Nutze den Arbeitstage-Rechner, um deine verfügbaren Arbeitstage nach Bundesland zu ermitteln – die Zahl der Arbeitstage beeinflusst deinen Stundensatz direkt. Erstelle direkt eine Rechnung mit korrektem Stundensatz und MwSt. Rechne mit dem MwSt-Rechner, wie viel Brutto dein Kunde zahlt.
Häufige Fragen zum Stundensatz
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Freelancer?
Addiere alle Kosten: Wunsch-Nettoeinkommen + Steuern (ca. 30-42%) + Krankenversicherung (ca. 220-900 €/Monat) + Betriebskosten (Büro, Software, Hardware). Teile die Summe durch deine tatsächlich abrechenbaren Stunden pro Jahr. Bei 220 Arbeitstagen, 6 produktiven Stunden und 80% Auslastung sind das ca. 1.056 Stunden. Unser Rechner macht das automatisch für dich.
Was ist ein realistischer Stundensatz für Selbständige in Deutschland?
In Deutschland liegen Stundensätze für Freelancer je nach Branche zwischen 40 und 150 €. IT und Entwicklung: 75-120 €, Design und UX: 60-100 €, Marketing: 50-90 €, Beratung: 80-150 €, Texten: 40-70 €. Unter 50 € pro Stunde wird es für die meisten Branchen schwierig, alle Kosten zu decken und angemessen zu leben.
Warum ist mein Stundensatz so hoch im Vergleich zu Angestellten?
Als Freelancer trägst du Kosten, die beim Angestellten der Arbeitgeber übernimmt: die Hälfte der Kranken- und Rentenversicherung, bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Büroausstattung, Software-Lizenzen und Weiterbildung. Außerdem hast du nicht-abrechenbare Zeit für Akquise, Buchhaltung und Administration. Faustregel: Dein Stundensatz sollte mindestens das 1,5-fache eines vergleichbaren Brutto-Stundenlohns betragen.
Wie viel Auslastung ist realistisch?
Einsteiger erreichen oft nur 50-60% Auslastung, etablierte Freelancer 70-85%. 100% Auslastung ist unrealistisch, da immer Zeit für Akquise, Verwaltung, Weiterbildung und Pufferzeiten nötig ist. Plane mit maximal 80% – das entspricht etwa 4 von 5 Arbeitstagen für bezahlte Projekte. Bei niedrigerer Auslastung muss dein Stundensatz entsprechend höher sein.
Soll ich Tages- oder Stundensätze anbieten?
Tagessätze sind oft vorteilhafter: Du wirst nicht für jede Minute gemessen, und Kunden können besser kalkulieren. Ein Tagessatz entspricht typischerweise 7-8 Stundensätzen. Bei kreativen und beratenden Tätigkeiten sind Tagessätze üblich, bei technischen Projekten eher Stundensätze. Festpreise funktionieren gut bei klar definierten Projekten – plane aber immer einen Puffer von 20% ein.