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Betriebsausgaben: 20 Posten, die Selbständige von der Steuer absetzen können

S SoloFinanz ·

Jeder Euro, den du als Betriebsausgabe absetzt, senkt deinen zu versteuernden Gewinn. Bei einem Steuersatz von 35% bedeutet das: 1.000 € Betriebsausgaben = 350 € weniger Steuern. Trotzdem verschenken viele Selbständige bares Geld, weil sie nicht wissen, was sie absetzen dürfen.

Hier sind 20 Posten, die du als Selbständiger von der Steuer absetzen kannst — mit konkreten Zahlen für 2026.

1. Homeoffice-Pauschale

Seit 2023 gibt es die Homeoffice-Pauschale als dauerhafte Regelung:

DetailWert
Pro Tag im Homeoffice6 €
Maximum pro Jahr1.260 € (= 210 Tage)
Nachweis nötig?Nein, aber glaubhaft machen
Für wen?Alle, die von zu Hause arbeiten

Wichtig: Die Homeoffice-Pauschale gilt auch, wenn du kein separates Arbeitszimmer hast. Arbeitest du am Küchentisch? Zählt trotzdem.

Alternative: Häusliches Arbeitszimmer Wenn du ein separates, abschließbares Zimmer hast, das zu mindestens 90% beruflich genutzt wird, kannst du stattdessen die tatsächlichen anteiligen Kosten absetzen:

  • Anteilige Miete (z.B. 15 m² von 80 m² = 18,75%)
  • Anteilige Nebenkosten
  • Anteilige Renovierungskosten

Rechnung: Bei 1.000 € Warmmiete und 20% Arbeitszimmer-Anteil: 200 € × 12 = 2.400 €/Jahr — das doppelte der Pauschale.

Du musst dich für eines entscheiden: Pauschale ODER tatsächliche Kosten.

2. Computer, Laptop, Tablet

Seit 2021 können Computer und Zubehör im Jahr der Anschaffung vollständig abgeschrieben werden — egal wie teuer:

GerätAbschreibung
Laptop/PC (jeder Preis)100% im Kaufjahr
Monitor, Tastatur, Maus100% im Kaufjahr
Drucker100% im Kaufjahr
Software100% im Kaufjahr

Beispiel: Du kaufst im März 2026 ein MacBook Pro für 2.500 € netto. Die gesamten 2.500 € sind sofort Betriebsausgabe. Bei 35% Steuersatz sparst du 875 €.

Bei gemischter Nutzung (privat + beruflich): Nur den beruflichen Anteil absetzen. Üblich sind 70–90% berufliche Nutzung — dokumentiere das.

3. Smartphone

Smartphones fallen nicht unter die Sofortabschreibung für Computer. Sie werden über 5 Jahre abgeschrieben:

PreisAbschreibung
Bis 800 € nettoSofort als GWG
Über 800 € nettoÜber 5 Jahre (20%/Jahr)

iPhone für 1.200 € netto:

  • 240 €/Jahr über 5 Jahre
  • Bei 70% beruflicher Nutzung: 168 €/Jahr absetzbar

Tipp: Zwei Verträge (privat + geschäftlich) sind der sauberste Weg. Ein Vertrag mit dokumentierter Nutzungsaufteilung geht auch.

4. Internet und Telefon

MethodeAbsetzbar
Pauschale20% der Gesamtkosten, max. 20 €/Monat
Tatsächlicher AnteilGenauer, aber Nachweis nötig
Separater Geschäftsanschluss100% absetzbar

Pauschale: Bei 50 €/Monat Internet + 30 €/Monat Handy = 80 €. Davon 20% = 16 €/Monat = 192 €/Jahr. Kein Nachweis nötig.

Tatsächlicher Anteil: Wenn du nachweisen kannst, dass du 60% beruflich telefonierst: 60% × 960 € = 576 €/Jahr. Lohnt sich bei hoher beruflicher Nutzung.

5. Fahrtkosten

Fahrten zur Betriebsstätte (Pendlerpauschale)

Wenn du zu einem festen Büro fährst:

  • 0,38 €/km (einfache Strecke, einheitlich ab 2026)

Dienstreisen (Kundenbesuche, Meetings)

  • 0,30 €/km für jeden gefahrenen Kilometer (Hin- und Rückfahrt)
  • Oder: Tatsächliche Kosten mit Fahrtenbuch

Beispiel Kundenbesuch: 80 km Hin- und Rückfahrt × 0,30 € = 24 € pro Fahrt. Bei 20 Fahrten/Jahr: 480 €.

Öffentliche Verkehrsmittel

Tatsächliche Kosten (Tickets, BahnCard, Deutschlandticket) sind voll absetzbar.

Deutschlandticket: 58 €/Monat × 12 = 696 €/Jahr. Davon beruflicher Anteil (z.B. 70%) = 487 €.

6. Verpflegungsmehraufwand

Bei Geschäftsreisen (Entfernung > 15 km von Wohn-/Betriebsstätte):

AbwesenheitPauschale
Mehr als 8 Stunden14 €
24 Stunden (ganzer Tag)28 €
An-/Abreisetag (bei Übernachtung)14 €

Beispiel: 3-tägige Messe (2 Übernachtungen):

  • Anreisetag: 14 €
  • Voller Tag: 28 €
  • Abreisetag: 14 €
  • Summe: 56 € (plus Übernachtung, Fahrtkosten)

Achtung bei Mahlzeiten: Wenn der Kunde oder Veranstalter dir Essen stellt, wird die Pauschale gekürzt (Frühstück: -5,60 €, Mittag: -11,20 €, Abend: -11,20 €).

7. Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Einzelne Anschaffungen bis 800 € netto (952 € brutto bei 19% USt) sind sofort absetzbar:

BeispielNetto-PreisSofort absetzbar?
Bürostuhl600 €Ja (GWG)
Stehschreibtisch750 €Ja (GWG)
Externes Mikrofon200 €Ja (GWG)
Webcam150 €Ja (GWG)
Monitor500 €Ja (Sofortabschreibung Computer)

Bis 250 € netto: Kein Verzeichnis nötig, einfach als Ausgabe buchen. 250–800 € netto: In ein Verzeichnis aufnehmen, aber trotzdem sofort abschreiben.

8. Büromaterial und -möbel

Alles, was du für deinen Arbeitsplatz brauchst:

  • Papier, Stifte, Ordner, Post-its
  • Druckerpatronen
  • Büromöbel (unter 800 € netto: sofort, darüber: AfA über 13 Jahre)
  • Beleuchtung
  • Pflanzen (ja, wirklich — wenn im Büro)

9. Software und Abonnements

SoftwareAbsetzbar als
Microsoft 365Betriebsausgabe (laufend)
Adobe Creative CloudBetriebsausgabe (laufend)
Cloud-Speicher (Dropbox, Google)Betriebsausgabe (laufend)
Buchhaltungssoftware (Lexoffice, sevDesk)Betriebsausgabe (laufend)
Domain + HostingBetriebsausgabe (laufend)
Fachliteratur / Online-KurseFortbildungskosten
Projektmanagement (Notion, Asana)Betriebsausgabe (laufend)

Tipp: Auch Streaming-Dienste sind teilweise absetzbar, wenn du sie beruflich nutzt (z.B. Spotify für Musikproduktion, YouTube Premium für Recherche). Dokumentiere den beruflichen Zweck.

10. Fortbildung und Weiterbildung

Vollständig absetzbar:

  • Fachkurse, Seminare, Workshops
  • Online-Kurse (Udemy, Coursera, LinkedIn Learning)
  • Fachliteratur, Fachzeitschriften
  • Konferenz-Tickets (z.B. WordCamp, OMR)
  • Reisekosten zur Fortbildung

Beispiel: Du besuchst eine 2-tägige Konferenz in Hamburg:

  • Ticket: 350 €
  • Bahnfahrt: 120 €
  • Hotel: 150 €
  • Verpflegung: 2 × 14 € = 28 €
  • Summe: 648 € — alles absetzbar

11. Bewirtungskosten

Wenn du Geschäftspartner oder Kunden einlädst:

DetailRegelung
Absetzbar70% der Kosten (inkl. Trinkgeld)
Vorsteuer100% der USt als Vorsteuer abziehbar
NachweisBewirtungsbeleg mit Anlass, Teilnehmern, Datum

Beispiel: Geschäftsessen für 120 € (inkl. 19% USt):

  • Betriebsausgabe: 70% × 120 € = 84 €
  • Vorsteuerabzug: 100% × (120 € / 1,19 × 0,19) = 19,16 €

Pflichtangaben auf dem Beleg:

  • Ort und Datum
  • Anlass der Bewirtung
  • Namen aller Teilnehmer (inkl. dir)
  • Unterschrift des Bewirtenden (du)

Ohne korrekte Angaben: Finanzamt erkennt die Kosten nicht an. Immer sofort ausfüllen!

12. Versicherungen

VersicherungAbsetzbar als
BerufshaftpflichtBetriebsausgabe (100%)
VermögensschadenhaftpflichtBetriebsausgabe (100%)
Betriebliche RechtsschutzBetriebsausgabe (100%)
BerufsunfähigkeitsversicherungSonderausgabe (Vorsorgeaufwand)
Private HaftpflichtSonderausgabe
KrankenversicherungSonderausgabe (Basisabsicherung: 100%)
UnfallversicherungAnteilig (beruflicher Anteil)

13. Beiträge und Gebühren

  • IHK-Beitrag (Pflichtmitglied)
  • Berufsgenossenschaft
  • Berufsverbände (z.B. BDÜ für Übersetzer, VGSD für Selbständige)
  • GEMA-Gebühren (wenn relevant)
  • GEZ / Rundfunkbeitrag (bei betrieblicher Nutzung anteilig)
  • Kontoführungsgebühren (Geschäftskonto: 100%, Privatkonto: pauschal 16 €/Jahr)

14. Werbung und Marketing

  • Website-Erstellung und -Pflege
  • Google Ads, Facebook Ads
  • Visitenkarten, Flyer
  • Logo-Design, Branding
  • Portfolio-Plattformen (Behance Pro, etc.)
  • Anzeigen in Fachmedien
  • Messestand-Kosten

15. Steuerberatung

Die Kosten für deinen Steuerberater sind voll absetzbar — einschließlich:

  • Jahresabschluss / EÜR-Erstellung
  • Steuererklärung (betrieblicher Anteil)
  • Laufende Beratung
  • ELSTER-Software (z.B. WISO Steuer, Tax)

16. Rechts- und Beratungskosten

  • Anwaltskosten (betrieblich veranlasst)
  • Vertragsgestaltung (AGB, Freelancer-Verträge)
  • Inkasso-Kosten
  • Unternehmensberatung

17. Geschenke an Geschäftspartner

Wert pro Person/JahrRegelung
Bis 50 €Voll absetzbar (seit 2024, vorher 35 €)
Über 50 €Nicht absetzbar (komplett!)

Achtung: Die 50-€-Grenze ist eine Freigrenze, kein Freibetrag. Bei 51 € fällt die gesamte Summe raus. Netto rechnen (ohne USt).

18. Kfz-Kosten

Wenn du dein Auto betrieblich nutzt:

Option A: Fahrtenbuch Tatsächliche Kosten × beruflicher Anteil. Aufwendig, aber genau.

Option B: 1%-Regelung Nur bei Firmenwagen, der zu > 50% betrieblich genutzt wird.

Option C: Km-Pauschale 0,30 €/km für jeden betrieblich gefahrenen Kilometer. Einfachste Methode für Einzelunternehmer.

19. Bankgebühren und Zinsen

  • Kontoführungsgebühren (Geschäftskonto: 100%)
  • Kreditkartengebühren (geschäftlich)
  • Zinsen für betriebliche Kredite
  • PayPal-Gebühren
  • Stripe/Zahlungsanbieter-Gebühren

20. Porto und Versand

  • Briefmarken, Pakete
  • Kurierkosten
  • Verpackungsmaterial

Die 5 am häufigsten vergessenen Abzüge

  1. Kontoführungspauschale (16 €/Jahr für Privatkonto — ja, auch das)
  2. Bewerbungskosten in der Startphase (Fotos, Unterlagen)
  3. Umzugskosten (wenn betrieblich veranlasst, z.B. näher an Kunden)
  4. Trinkgelder (bei dokumentierten Geschäftsessen)
  5. Zinsen auf betriebliche Steuernachzahlungen (als Betriebsausgabe)

Steuerersparnis berechnen

Die tatsächliche Ersparnis hängt von deinem Steuersatz ab:

Zu versteuerndes EinkommenGrenzsteuersatz (ca.)1.000 € Ausgaben sparen dir
15.000 €~26%260 €
30.000 €~33%330 €
50.000 €~38%380 €
70.000 €~42%420 €
100.000 €~44%440 €

→ Berechne deinen persönlichen Steuersatz mit dem Brutto-Netto-Rechner

Checkliste: Jahresende Steuer-Check

  • Alle Belege gesammelt und kategorisiert?
  • GWG-Anschaffungen unter 800 € netto getätigt?
  • Computer/Software noch in diesem Jahr kaufen?
  • Homeoffice-Tage dokumentiert?
  • Fahrtenbuch / Fahrtenaufzeichnung vollständig?
  • Bewirtungsbelege mit allen Pflichtangaben?
  • Fortbildungen noch dieses Jahr buchen?
  • Geschenke an Geschäftspartner unter 50 € geblieben?
  • Vorauszahlungen für nächstes Jahr noch in diesem Jahr leisten? (Versicherungen, Software-Jahreslizenzen)
  • Steuerrücklage ausreichend? → MwSt-Rechner

Fazit

Betriebsausgaben sind kein Steuertrick — sie sind dein gutes Recht. Jeder Euro, den du für dein Business ausgibst, mindert deinen Gewinn und damit deine Steuerlast. Der Schlüssel: Belege sammeln, korrekt kategorisieren, und nichts vergessen.

Faustregel: Wenn eine Ausgabe zu mehr als 10% mit deiner Selbständigkeit zusammenhängt, ist sie (anteilig) absetzbar. Im Zweifel: Beleg aufheben und Steuerberater fragen.

Dein nächster Schritt: Erfasse deine Einnahmen und Ausgaben laufend und strukturiert. Nutze die EÜR-Anleitung als Leitfaden für deine Buchhaltung.

Quellen